Viele Religionen, viele Meinungen, ein Blog

Aktuelles: Interreligiöser Kalender

Hier findest du die Feiertage vieler verschiedener Religionen (z.B. von Christentum, Judentum, Buddhismus, Hinduismus, Islam, Alevitismus, und noch ein paar mehr) auf einen Blick. Heute, am 16.06., findet zum Beispiel Asalha Puja statt, eines der wichtigsten buddhistischen Feste. Schau doch gerne einmal vorbei!

Ist eine Bändigung der begrifflichen Wildheit möglich? – Zur Rolle von „Hilfsdefinitionen“

„Satanismus“ ist ein äußerst heterogenes Phänomen mit einer Vielzahl an unterschiedlichen und sich zum Teil gegenseitig ausschließenden Strömungen und Ausprägungsformen. Um „Satanismus“ in all seiner widersprüchlichen Fülle daher nicht gänzlich dem wissenschaftlichen Zugriff zu entziehen, hat sich als eine Art „Arbeitshypothese“ die grundlegende Unterscheidung zwischen „experimentellem (hypothetischem) und religiösem (ideologischem) Satanismus“[1] allgemein durchgesetzt. Man könnte auch von „theistischem“ und „atheistischem“ Satanismus sprechen.[2]

Über theistischen, also religiös-ideologischen Satanismus, der die deutlich seltenere Form darstellen dürfte und dem die gängigen Klischees zugerechnet werden müssen, weiß man praktisch nichts. In den atheistischen Strömungen dagegen wird die Figur des Satan zumeist symbolisch als ideales „Vorbild“ aufgefasst. Es handelt sich dann eher um eine Lebensphilosophie der rücksichtslosen Selbstverwirklichung in Abgrenzung vom caritativen Ideal des Christentums denn um eine ernsthaft „religiöse“ Weltanschauung.[3]

[1] Metzger, Paul: Der Teufel. Wiesbaden 2012, S. 119.

[2] Letzteres wird gemeinhin mit der 1966 von Anton Szandor La Vey (1930-1997) in San Francisco gegründeten First Church of Satan assoziiert, der bekanntesten und wohl auch mitgliederstärksten offiziell satanistischen Gemeinschaft.

[3] Vgl. Iwersen, Julia: Art. Satanismus. I. Religionswissenschaftlich. In: RGG4, http://dx.doi.org/10.1163/2405-8262_rgg4_COM_024711 (zuletzt aufgerufen am 16.11.2020).

Satanismus als „wilder“ und ambivalenter Begriff: Definitionsprobleme

Es ist tatsächlich weder möglich noch sinnvoll, eine präzise Definition dessen abzugeben, was unter „Satanismus“ zu begreifen wäre, die hinausgeht über ein lapidares „irgendetwas Weltanschauliches, das mit Satan bzw. dem Teufel zu tun hat“. Der Begriff gilt daher auch als „unwissenschaftlich“ und „wild“.[1]

Manchmal wird er als Selbstbezeichnung gewählt[2] und kann dann als unmittelbarer Ausdruck weltanschaulicher Verortung betrachtet werden. Andererseits wird der Begriff von einigen Anhänger*innen „satanistischer“ Philosophien als negativ konnotierte Bezeichnung betrachtet, die ihren Ursprung in der christlichen Polemik hat, und daher nur unter Vorbehalt akzeptiert oder gar abgelehnt.[3]

[1] Vgl. Iwersen, Julia: Art. Satanismus. I. Religionswissenschaftlich. In: RGG4, http://dx.doi.org/10.1163/2405-8262_rgg4_COM_024711 (zuletzt aufgerufen am 09.11.2020).

[2] Vgl. Ebd.

[3] Ein berühmtes Beispiel hierfür ist der schwedische Black-Metal-Musiker „Ghaal“ (bürgerlich: Kristian Eivind Espedal), früherer Sänger der Band Gorgoroth.

Ghaal dementiert die Charakterisierung seiner Ansichten als „satanistisch“ zwar nicht gänzlich, betont jedoch, dass dies stets Fremdzuschreibungen seien, für die es in seiner eigenen Sprache keine Äquivalente gebe. Vgl. https://web.archive.org/web/20160303214650/http://www.tartareandesire.com/interviews/gorgoroth.html (zuletzt aufgerufen am 09.11.2020).

Satanismus: Eine Annäherung

Welche Assoziationen verbindest Du gemeinhin mit dem Begriff „Satanismus“?

Vermutlich spuken einem da zunächst die Topoi und Klischees der Populärkultur oder Boulevard-Presse durch den Kopf: Schwarze Messen, Tieropfer, Kirchen- und Grabschändungen bis hin zu (angeblich) satanistisch motivierten Verbrechen.[1]

Diesem Potpourri an Vermutungen und Gemunkel sei daher gleich zu Anfang eine paradoxe Klarstellung entgegengehalten: All diese Assoziationen sind ebenso richtig, wie sie falsch sind!

[1] Als exemplarisch kann für letzteres der sog. „Satanistenmord zu Witten“ gelten, vgl. z.B. https://www.welt.de/vermischtes/article1994538/Der-Satansmord-mit-66-Messerstichen-aus-Witten.html (zuletzt aufgerufen am 03.11.2020).

Können Religionen vom Regenbogenfisch lernen?

im ganzen Ozean. Sein Schuppenkleid schillerte in allen Regenbogenfarben.“[1]

Falls dieser Satz bei einigen Kindheitserinnerungen hervorruft, liegt das daran, dass mit diesen Sätzen eines der erfolgreichsten deutschen Kinderbücher beginnt: „Der Regenbogenfisch“ von Marcus Pfister. Es erzählt die Geschichte des wunderschönen, aber eitlen Regenbogenfisches, der erst lernen muss, seine Schuppen mit anderen Fischen zu teilen, um nicht mehr einsam zu sein. Pfister brachte unzähligen Kindern die Lektion bei, dass Teilen Freude macht. Längst sind diese Kinder erwachsen geworden und schmunzeln, wenn sie an die Geschichte erinnert werden. Tatsächlich kann allerdings jede*r – egal ob 5, 25 oder 45 – noch von dem Regenbogenfisch lernen. Das schillernde Schuppengewand des Regenbogenfisches und seine Bereitschaft, andere Fische an diesem teilhaben zu lassen, kann auch auf die Vielfältigkeit der einzelnen Religionen bezogen werden.

[1] Pfister, Marcus: Der Regenbogenfisch, Zürich, 1992. https://regenbogenfisch.com/

Bunt, bunt, bunt sind alle Religionen?

Über den Verlauf des Monats wurde deutlich, dass Farbgebung in den unterschiedlichsten Bereichen, von Sprache über Einrichtung bis hin zu den Religionen eine wichtige Rolle spielt. Gerade mit Blick auf die Religionen stellt diese Farbenfroheit Herausforderung und Chance dar. Kann ein Austausch zwischen Gläubigen stattfinden, wenn bereits mit ein und derselben Farbe in verschiedenen Religionen unterschiedliche Stimmungen und Bedeutungen verknüpft werden? Sollte jede Religion mit ihrer Farbsymbolik unter sich bleiben, nach dem Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“? Oder liegt gerade im Dialog eine Chance, den eigenen religiösen Horizont zu erweitern?

Farben in der Psychologie

Wer schwarz-weiß denkt, dem graut vor Zwischentönen“.

Jürgen Wilbert (*1945), Schriftsteller

Menschen denken nicht nur schwarz-weiß, sie lügen auch das Blaue vom Himmel, tragen rosa rote Brillen und werden grün, manchmal auch gelb vor Neid. Die Welt der Farben ist aufs Engste mit menschlichen Emotionen verbunden, wobei verschiedene Töne derselben Farbe unterschiedliche Stimmungen transportieren können. Wie groß der Einfluss des Farbenspiels auf das menschliche Gemüt tatsächlich ist, wird wohl nie ganz geklärt werden können – genauso wenig wie die Frage, ob wir alle dieselben Farben sehen. Fest steht, Farben sind mehr als die Summe ihrer Pigmente oder Lichtreflexionen. Ich hoffe, dass nach diesem farbenfrohen Monat keiner mehr grün hinter den Ohren ist, wenn es um die Bedeutung von Farben in den Religionen geht.

Wie viele verschiedene, widersprüchliche Empfindungen kann eine Farbe übermitteln?

Religiöses, politisches und giftiges Grün – eine Farbe für unterschiedliche Überzeugungen? Oder am Ende doch das Gleiche, nur in Grün?

Die Farbe Grün steht für die Hoffnung und die Natur aber auch für den Islam. Auch für weltliche Gruppierungen wurde die Farbe zum Kennzeichen, man denke beispielsweise an umweltbewusste Politik oder die Freiheitsstatue. Grün ist hoffnungsvoll, wird aber auch mit Gift assoziiert. Im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts wurden Tapeten mit giftigen Chemikalien, darunter auch Arsen, grün bedruckt. Fasziniert von dem Farbton nahmen viele Menschen (un)wissentlich das Risiko der Vergiftung in Kauf, um sich mit der Farbe zu umgeben.

Gold, die Farbe Gottes

Es ist nicht alles Gold, was glänzt! Außer im Bereich der Religionen? Von Moscheen über Kirchen bis hin zu mächtigen Buddha-Statuen – die Farbe findet sich über Zeitalter und den Globus verstreut vorrangig da, wo Glaube architektonischen, oder künstlerischen Ausdruck findet. Gibt es also eine Farbe des Göttlichen?

Farben in den Religionen

„Religion ist ein Prisma, von dessen sieben Farben jeder seine Lieblingsfarbe wählen mag; alle aber rühren nur von einem Sonnenstrahl.“- Karl Julius Weber (1767-1832), Jurist, Gelehrter und Schriftsteller.

Der Oktober steht ganz unter dem Thema „Farben und Religion“. Gibt es eine Farbe des Göttlichen? Oder einen roten Faden durch die Farbenwelt des Christentums? Findet man womöglich eine Farbenlehre des Islams? Oder kommt man mit solchen Überlegungen auf keinen grünen Zweig?

Über den Oktober hinweg, laden einige Impulse dazu ein, die (religiöse) Welt nicht mehr völlig grau in grau zu sehen

Auf Grund der Zahl muslimischer Kinder in Deutschland herrscht eine große Nachfrage an islamischem Religionsunterricht

Schon im Jahr 2001 war die Nachfrage an islamischem Religionsunterricht groß. Bundesweit besuchten knapp 750.000 Schülerinnen und Schüler islamischen Glaubens deutsche Schulen. Dies entspricht ca. 6% aller Schulkinder. Diese Zahl ist bis heute noch weiter gestiegen. Eine genaue Anzahl der muslimischen Schüler*innen in Deutschland liegt selbst dem Bundesamt für Statistik nicht vor. Allerdings besuchten allein im Schuljahr 2018/2019 414.000 muslimische Kinder nordrhein-westfälische Schulen.[1] Daraus lässt sich schließen, dass die Nachfrage an islamischem Religionsunterricht noch weiter gestiegen ist.

[1] https://www.welt.de/regionales/nrw/article189399185/Bildungspolitik-Wie-Muslime-die-Schulen-veraendern.html, zuletzt aufgerufen am 22.09.20.

Pilotprojekt „Islamkunde in deutscher Sprache“ in Bayern erfolgreich

Im Bundesland Bayern haben im Jahr 2008 22 Schulen am Projektversuch „Islamkunde in deutscher Sprache“ teilgenommen. 11 Jahre später hat sich diese Zahl mehr als verfünfzehnfacht. Das Pilotprojekt findet somit in Bayern großen Zuspruch, sowohl bei Schülerinnen und Schülern, als auch bei Eltern und Lehrer*innen. „Islamkunde in deutscher Sprache“ leistet hierbei einen wichtigen Beitrag für Bildungswesen und Gesellschaft: Es trägt zum religiösen Verständnis und zum Abbau von Vorurteilen bei.

islamischer Religionsunterricht in Deutschland

Schon gewusst? Seit dem Schuljahr 2003/2004 wird an einer Grundschule in Erlangen konfessioneller Islamunterricht angeboten.[1]

[1] http://www.deutsche-islam-konferenz.de/DIK/DE/DIK/5ReligionsunterrichtSchule/Schulversuche/schulversuche-node.html, zuletzt aufgerufen am, 24.03.2020.

Pilotprojekt vergrößert

Die Zahl der Schulen, die einen islamischen Religionsunterricht anbieten, hat sich von 2008 bis 2019 knapp versechsfacht.

Prophet Gottes? – Jesus von Nazareth aus muslimischer Sicht

Jesus von Nazareth – auf Arabisch ist sein Name Isa – begegnet sowohl im Koran, als auch in der christlichen Bibel. Die Ähnlichkeiten zeigen, dass in beiden Texten von der gleichen Person die Rede ist. Aber wo genau liegen die Gemeinsamkeiten und wo die Unterschiede? Wer ist Isa von Nazareth im Koran?

Was denkst du eigentlich?

In Büchern steht vor allem das, wonach man selbst sucht. Wer verstehen will, was sein Gegenüber wirklich glaubt, sollte sich nicht damit begnügen, Schriften zu lesen und über die Anderen zu reden. Redet stattdessen mit ihnen! Natürlich immer respektvoll und nie verletzend.

Unsere Artikel können euch viele Anhaltspunkte für ein Gespräch geben: Unterhaltet euch mit Anderen über eure Religionen!

„Rein und unbefleckt“

Seyyed Hossein Nasr, Professor für Islamwissenschaft an der George Washington University, vergleicht den Analphabetismus Mohammeds mit der Geburt Jesu durch eine Jungfrau:

„Der Prophet muss aus demselben Grund des Lesens und Schreibens unkundig sein, aus dem Maria Jungfrau sein muss. Die menschliche Übermittlung einer göttlichen Botschaft muss rein und unbefleckt sein.“[1]

Beide Motive sind in einem naturwissenschaftlichen Weltbild nicht leicht unterzubringen. Doch bei beiden Motiven geht es eben nicht darum, ob sie wissenschaftlich wahrscheinlich sind – sie sollen zeigen, dass die jeweilige Botschaft nicht menschlich verfälscht wurde.

[1] Vgl. das englische Original in Seyyed Hossein Nasr, Ideals and Realities of Islam, London 1966, 43f. (Übers. d. Verf.).

Ein geschriebenes Kunstwerk: der Koran

Der Koran ist die heilige Schrift der Muslim*innen. Er wurde dem Propheten Muhammad in mehreren Offenbarungen verkündet und schließlich aufgeschrieben. Seine Kapitel heißen Suren und sind in einer sehr kunstvollen Sprache abgefasst. Weil der Koran auf Arabisch offenbart wurde, ist nur der arabische Koran tatsächlich Gottes Wort. Deshalb, und, weil auch die beste Übersetzung einer Sprache in eine andere bereits Interpretation ist und die Bedeutung der Worte verändert, ist nur der arabische Koran wirklich der Koran. In jeder anderen Sprache ist nur seine ungefähre Bedeutung wiedergegeben.

Mensch und Gott? – Jesus von Nazareth aus christlicher Sicht

Jesus von Nazareth ist für Christ*innen eine zentrale Person ihres Glaubens. Sie nennen ihn Jesus Christus und sind als „Christ*innen“ sogar nach ihm benannt. Auch in Judentum und Islam ist Jesus eine bekannte Figur. Der größte Unterschied zu den jüdischen und islamischen Traditionen ist, dass Jesus im Christentum Gott ist, nicht nur Mensch. Dieser Punkt ist im interreligiösen Dialog so brisant, weil es konkret das Gottesverständnis der jeweiligen Religion betrifft, was ein sehr sensibler Punkt ist. Dabei ist es auch für Christ*innen schwierig, Jesu Göttlichkeit, die Dreifaltigkeit Gottes und die Bedeutung des Todes Jesu zu verstehen – und es ist auch für Christ*innen nicht einfach, sich darüber auszutauschen und sich – selbst innerchristlich – auf ein gemeinsames Verständnis zu einigen. Doch zurück zur interreligiösen Sicht: Trotz des wichtigen Unterschiedes gibt es auch Gemeinsamkeiten. Deshalb lieber genau hinsehen: Wieso ist Jesus für den christlichen Glauben so wichtig und was steht über ihn in der christlichen Bibel?

Wie sah Jesus aus?

Langes Haar, bärtig, mit langem, weißem Gewand und blauem (oder rotem) Mantel – so wird Jesus häufig dargestellt. – Traditionell als weißer Mann. Aber ist es denn wahrscheinlich, dass Jesus so aussah? Eigentlich nicht. Von Jesu Aussehen wird in der Bibel kaum berichtet – das macht es wahrscheinlich, dass sich Jesus in seinem Äußeren nicht viel von seinen männlichen Zeitgenossen unterschied. Mit Joan Taylor, einer Professorin für Christian Origins und Second Temple Judaism am King’s College London, könnte Jesus deshalb so ausgesehen haben:[1] Kurzer Bart und eher kurze, dunkle Haare. Dazu die Alltagskleidung seiner Umwelt: eine knielange Tunika („Chiton“) und ein großes Wolltuch als Mantel („Himation“). Jesu Hautfarbe wird eher etwas dunkler gewesen sein – schließlich war er Galiläer. Jesus als weißen Mann mit langen Haaren darzustellen ist also zum einen historisch unwahrscheinlich und zum anderen eine ziemlich westlich-vereinnahmende Sicht.

[1] Vgl. zum folgenden den Artikel What did Jesus really look like? von Joan Taylor, unter https://www.bbc.com/ news/magazine-35120965, aufgerufen am 24.07.2020.

Gott wird Mensch?

Das Bekenntnis von Nicäa-Konstantinopel ist das ökumenische Glaubensbekenntnis der Christ*innen (mit einem einzigen Streitpunkt, der die hier zitierte Stelle aber nicht betrifft, sondern das Verhältnis von Heiligem Geist und Sohn in der Trinität). In diesem Glaubensbekenntnis heißt es:

Wir glauben an den einen Gott, den Vater, […] Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, […]. Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. […][1]

Im christlichen Glauben ist Jesus von Nazareth sowohl Mensch als auch Gott – ein Streitpunkt im interreligiösen Dialog.

[1] Diese Übersetzung in leicht lesbarem Deutsch ist der Seite der Evangelischen Kirche in Deutschland entnommen, unter: https://www.ekd.de/Glaubensbekenntnis-von-Nizaa-Konstantinopel-10796.htm, aufgerufen am 03.07.2020. Den zweisprachigen Text (griechisch und lateinisch) samt deutscher Übersetzung kann man auch nachlesen in: Wohlmuth, Josef (Hg.), Conciliorum Oecumenicorum Decreta. Band 1: Konzilien des ersten Jahrtausends: vom Konzil von Nizäa bis zum vierten Konzil von Konstantinopel (869/70). Paderborn 31998, S. 24.

Was bedeutet „Jesus Christus“?

„Jesus Christus“ ist eigentlich kein Name, sondern eine Aussage: „Jesus ist der Christus“. Das ist gleichbedeutend mit dem Satz „Jesus ist der Messias“. Denn das griechische Wort für Messias ist „Christos“, lateinisch „Christus“ geschrieben. „Christus“ ist also nicht Jesu Nachname, sondern ein Würdetitel. Im interreligiösen Dialog sollte man deshalb lieber „Jesus von Nazareth“ sagen, weil das neutral ist. „Von Nazareth“ bezeichnet nämlich nur Jesu Herkunft aus dem Dorf Nazareth und trifft keine theologische Aussage.

Was steht in der Bibel über das Leben Jesu?

Es gibt viele Schriften des Neuen oder Zweiten Testaments, die Bezug auf Jesus von Nazareth nehmen. Doch Schriften, die quasi ein ,Leben Jesu‘ erzählen, sind vor allem die vier Evangelien. Sie stehen nach der lutherischen Reihenfolge der Schriften ganz vorne im Zweiten Testament. Die vier Evangelien berichten von Jesu Geburt, seiner Lehre, seinem Tod, seiner Auferstehung von den Toten und seiner Aufnahme in den Himmel. Besonders wichtig für den christlichen Glauben sind Jesu Tod und Jesu Auferstehung – mehr darüber später im Artikel …

Eines der am häufigsten übersetzten Bücher…

… ist die Bibel. Sie ist die heilige Schrift aller christlichen Traditionen und Konfessionen. Sie besteht aus zwei Teilen: Im Ersten oder Alten Testament stehen in etwa die gleichen Schriften wie im Tanach (d. i. die hebräische Bibel), z. B. die fünf Bücher Moses, die Psalmen und prophetische Bücher. Diese Schriften gab es schon lange vor Jesus. Im Zweiten oder Neuen Testament, das erst nach Jesu Leben entstanden ist, stehen vor allem Geschichten über Jesus (Evangelien) und Briefe an christliche Gemeinden. Mehr darüber später im Artikel …

Jüdischer Rabbi oder Abtrünniger? – Jesus von Nazareth aus jüdischer Sicht

Was sagt das Judentum über Jesus von Nazareth? – Zuerst einmal sagt das Judentum, dass es DAS Judentum gar nicht gibt. Denn genau wie in anderen Religionen trifft man hier auf viele unterschiedliche Strömungen, die auch nicht alle die gleichen Auffassungen teilen. Mit diesem wichtigen Wissen im Hinterkopf kann ich nun versuchen, eine Antwort auf die Frage „Was sagt das Judentum über Jesus von Nazareth?“ zu finden.

Messiaserwartung

Daniel sieht in einer Vision ein überirdisches Wesen (Buch Daniel 7,14): Ihm ward Gewalt und Ehre gegeben und Königschaft, alle Völker, Stämme und Zungen dienten ihm: seine Gewalt ist in Weltzeit, Gewalt, die nie vergeht, und seine Königschaft nie zu zerstören.[1]

Das ist eine große Frage zwischen Juden* und Christ*innen: Kommt der Messias noch, oder war er (als Jesus) schon da?

[1] Vgl. Die Schrift., unter: http://www.obohu.cz/bible/index.php?styl=BRU&kap=7&k= Da#, aufgerufen am 06.04.2020.

Wie viele Götter gibt es?

5. Buch Mose, Kapitel 6, Vers 4: Höre Jissrael: ER unser Gott, ER [ist] Einer![1]

Die jüdischen Strömungen verstehen sich als streng monotheistisch. Sie haben also nicht mehrere Götter, sondern nur einen einzigen Gott, neben dem es keine weiteren Gottheiten gibt. Das kann zu Missverständnissen zwischen Juden* und Christ*innen führen, wenn die christliche Trinität als Glaube an drei Götter verstanden wird.

[1]Vgl. Die Schrift., unter: unter: http://www.obohu.cz/bible/index.php?styl=BRU&kap=6&k= Dt#, aufgerufen am 06.04.2020.

Tanach – schon mal gehört?

Der Tanach ist die heilige Schrift der jüdischen Religion. Er ist hauptsächlich auf Hebräisch geschrieben. Das Wort Tanach ist aus den Anfangsbuchstaben der drei Teile der Schriftensammlung zusammengesetzt: Tora, Nebiim und Ketubim (K ^= ch), also Weisung (fünf Bücher Mose), Propheten (z. B. Jesaja, Jeremia, …) und Schriften (z. B. Psalme, Hiob, …).

Jesus von Nazareth – Rabbi, Gott oder Prophet?

Er selbst kommt aus der jüdischen Religion, die Christ*innen berufen sich auf ihn, für Muslim*innen ist er ein wichtiger Prophet. Was denkst du über Jesus von Nazareth? Und was haben diese drei Religionen über ihn zu sagen?

Mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden dieser Religionen in ihrer jeweiligen Sicht auf Jesus von Nazareth beschäftigen sich die nächsten drei Monate.

Der Ramadan – Fasten für mehr Nächsten- und Gottesliebe

Vom 24.04. bis zum 23.05.2020 war dieses Jahr Ramadan, der Fastenmonat im Islam.[1] Fasten als ein religionsübergreifendes Phänomen ist beispielsweise auch im Christentum, im Buddhismus, im Judentum oder im Hinduismus zu finden. Dabei wird nicht nur aus rein gesundheitlichen Gründen gefastet.[2] Auch beim Ramadan geht es um mehr: Ein größeres Verbundenheitsgefühl mit der islamischen Welt und nicht zuletzt mit Allah selbst.[3] Im Folgenden soll der Frage nach den religiös-theologischen Gründen für das Fasten, speziell im Ramadan, auf den Grund gegangen werden.

[1]Vgl. Quantara-Redaktion: Islamischer Fastenmonat Ramadan beginnt am 23. April 2020, verfasst am 10.03.2020: https://de.qantara.de/content/islamischer-fastenmonat-ramadan-beginnt-am-23-april-2020, aufgerufen am: 14.04.2020.

[2] Vgl. Hamidullah, M.: Warum fasten? Eine Studie über das Fasten im Islam vom geistlichen und weltlichen Standpunkt aus gesehen, Genf 1963, S.3-4. und vgl. Jaros, K.: Der Islam. Historische Grundlagen und Glaubenslehre, Wien/Köln/Weimar 2012, S.95.

[3]Vgl. Islamisches Zentrum München: Das Fasten, in: Schriftenreihe des Islamischen Zentrums München Nr. 5, München 1987, S.2-3.

Wie gut kennst Du Dich mit dem Ramadan aus? Hier kommen fünf Fragen, bei denen Dir vielleicht noch ein Licht aufgeht!

  1. Das Fasten (Sijam) gehört zu den „Fünf Säulen des Islams“. Kannst Du die restlichen vier Säulen aufzählen?
  2. Der Ramadan ist der neunte Monat des Mondkalenders und wird im Koran Sure 2:185 als Fastenmonat festgelegt. Was ist besonders an diesem Monat und was hat er mit dem Koran zu tun?
  3. Wann wird beim Ramadan-Fasten gegessen?
  4. Wer ist vom Ramadan befreit?
  5. Nun die Expertenfrage: Auf den Monat Ramadan folgt der Monat Schawwal. Welches Fest wird am Anfang des Schawwals gefeiert?

Warum fasten wir? Gedanken eines muslimischen Fastenden zum Ramadan

„Im Ramadan habe ich Zeit mich mit meinem Glauben zu beschäftigen. Durch das Fasten wird mein Körper gereinigt, und ich spüre für mich auch gleichzeitig eine Reinigung meiner Seele. Ich befasse mich konkreter mit Fragen z.B. warum und wieso ich glaube. Ich sehe es als eine Chance, das vergangene Jahr zu reflektieren und mit Hilfe des Islams mich aufs Kommende vorzubereiten.“  // Burak Uzun, 28

Warum fasten wir? Eine christliche Perspektive

„Fasten heißt für mich: durch bewussten Verzicht einen geschärften Blick für eigene Gewohnheiten oder scheinbar Selbstverständliches zu bekommen. Als Christin möchte ich diesen Fasten-Blick auch auf die Bewahrung der Schöpfung richten. Beim Klimafasten fällt Manches schwer, aber Vieles wird tatsächlich langfristig zur Gewohnheit.“ // Pfarrerin Julia Steller, 32, aus der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Schongau

Warum fasten wir? Ein Statement zu nicht-religiösem Fasten

„Warum habe ich zwei Monate lang Alkohol gefastet? Ich habe gefastet, um mir selbst zu zeigen, dass ich es schaffe, zwei Monate darauf zu verzichten. Weiterhin war mir der Gesundheitsaspekt sehr wichtig und, um das neue Jahr gesund zu starten. Zwei Monate sind ein längerer Zeitraum, aber auch noch nicht zu lange, sodass man das Fasten auch noch schafft.“ // Michael, 25

Warum fasten wir?

Leere Bahnen – zur Zeit kein seltener Anblick. In der Coronakrise haben die Katastrophenschutzmaßnahmen im März und April dazu geführt, dass jeder von uns auf etwas verzichten musste. Sei es auf die Bewegungsfreiheit, die Arbeit oder sogar auf die Gesundheit. Und obwohl diese Situation unfreiwillig entstanden ist und das Virus schreckliche Folgen haben kann, birgt sie für viele, die nicht unmittelbar von der Krankheit betroffen sind, absurderweise auch Chancen. Diesen Monat beschäftige ich mich als radikales Gegenprogramm zu der Situation, in die wir unfreiwillig geraten sind, mit dem freiwilligen Verzicht: dem Fasten, speziell dem Ramadan, der schon Ende April begonnen hat. Doch wozu dient Fasten und wohin soll es führen? Welche verschiedenen Perspektiven gibt es auf das Thema und lohnt es sich, auf den Fastenzug aufzuspringen?

Ein Artikel zum Thema Fasten erscheint am 28.05.

DiversiFaith im Radio?

Vor knapp zwei Wochen ist unser Blogprojekt online gegangen! Im selben Atemzug habe ich mit der Reporterin Ida Hinterholzinger von Radio Z[1] ein Interview für das Magazin für Kultur und Politik „Stoffwechsel“ geführt.

Wir klären wichtige Fragen: Wer steckt hinter DiversiFaith? Was ist unser Ziel? Warum ist interreligiöse Kommunikation uns so wichtig?

Hör doch mal rein! Du findest das Interview unter:  radio-z.net

[1]http://www.radio-z.net/de/

Leiden macht dialogfähig?

In Frankreich auf dem Altar der Klause von Thich Nhat Hanh, einem vietnamesischen Vertreter des Engagierten Buddhismus, stehen Bildnisse von Buddha wie auch von Jesus. Er nehme zu beiden als seinen spirituellen Ahnen Kontakt auf.[1] Thich Nhat Hanh weist eine Möglichkeit auf, wie BuddhistInnen mit der zentralen Figur des Christentums, Jesus Christus, umgehen können. Buddhismus und Christentum hätten, so der Mönch, zwar verschiedene Wurzeln, Betrachtungsweisen und Traditionen, doch auch einen gemeinsamen Kern: das Ziel der Überwindung des Leidens in der Welt. Dies macht er vor allem an Leben und Lehren der Religionsstifter, Siddharta Gautama (Buddha) und Jesus, fest.

[1]     Vgl. Thich Nhat Hanh: Buddha und Christus heute. Verbindende Elemente von Buddhismus und Christentum, München 1999, S. 30.

Da geht mir doch ein Licht auf!

Am 8. Dezember feiert man in Japan die Erleuchtung des Buddhas. Der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh sieht in der Taufe Jesu ein Zeichen dafür, dass auch Jesus erleuchtet sei. Denn der Himmel öffnete sich und der Heilige Geist stieg in Taubengestalt zu Jesus herab. Die Taufe Jesu wird im Christentum entweder als eigenes Fest oder zumindest als Gottesdienstmittelpunkt behandelt.

Ziel erreicht!

Schon gewusst? Der Eintritt Buddhas ins Nirvana wird am 15. Februar in Japan gefeiert. Hier lässt sich eventuell eine Parallele zu Christi Himmelfahrt finden, welche am 40. Tag der Osterzeit gefeiert wird. Beide, Buddha und Jesus, gelangten an das Ziel – Nirvana respektive Himmel –, zu dem sie den Menschen einen Weg bereiten wollten.

Blumenfest

Was haben das Blumenfest, das am 8. April in Japan gefeiert wurde, und Weihnachten gemeinsam? Beides sind Festlichkeiten, bei denen die Geburt der Religionsstifter, Buddha beziehungsweise Jesus, gefeiert wird. Die Feier zur Geburt des Buddhas wird als Blumenfest bezeichnet, da die Tempel mit Blumen geschmückt und Blumen als Opfergabe dargereicht werden.

Der Countdown läuft!

Zumindest für die 40-tägige Fastenzeit im Christentum, welche auch Passionszeit genannt wird. Auch im Buddhismus gibt es eine Besinnungs- und Rückzugszeit. Die sogenannte Vassa, welche auch oft als buddhistische „Fastenzeit“ bezeichnet wird, findet von Juli bis Oktober statt und liegt damit noch vor uns.

Ein Artikel zu Buddha und Jesus erscheint am 30.04.

Aktuelles: Religion in Zeiten des Coronavirus

Die Welt befindet sich in einem Ausnahmezustand, auf den auch die Religionen reagieren müssen.

Aktuelles: "Big Islam, Little Space." - unser erster interreligiöser Dialog

Eine Religion mit so großen Dimensionen und im Vergleich so wenig Platz im Weblog. – Das meinte einer unserer muslimischen Gäste wohl mit dieser Bemerkung und lieferte damit so etwas wie die Vorlage für unser interreligiöses Gespräch und womöglich für den Dialog mit nicht-christlichen Religionen überhaupt. Aber fangen wir von vorne an.

Erlangen, der 13.02.2020. Wir, die Teilnehmenden des Seminars „Das Christentum aus Sicht der Anderen/Interreligiöse Kommunikation“, treffen uns mit sieben am interreligiösem Dialog Interessierten, die sich zu dieser Abendrunde eingefunden haben. Unsere Gäste sind entweder selbst muslimisch und/oder sind im Bildungssektor tätig. Dem Treffen ging eine lange Vorbereitungsphase voraus. Im Wintersemester zuvor haben wir uns neben der Entwicklung dieses Blogs vermehrt mit nicht-christlichen Religionen und deren Beziehungen zueinander auseinandergesetzt. Diese eher theoretischen Vorkenntnisse wollen wir nun im Dialog mit und über MuslimInnen erproben. Unser erklärtes Ziel: Herausfinden, wie es sich anfühlt, im Gespräch über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, nachfragen, uns Inspiration holen und, vielleicht auch, Spannungen aushalten.  Ganz besonders interessiert uns, wie es gelingen kann, über den Islam zu schreiben, ohne ungewollt verletzend zu sein.